Bildungspolitik der SPD: Neue Pläne für Schulen, Hochschulen und BAföG

Von
Helen Mattes
|
7
.
February 2025
|
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Deutscher Bundestag

Bildungspolitik der SPD: Welche Reformen sollen Schulen, Hochschulen und Berufsausbildung verbessern? (Quelle: Canva)

Die vorgezogene Bundestagswahl, ausgelöst durch das vorzeitige Ende der Ampel-Koalition, verändert die politische Landschaft – und damit auch die Debatte über die Zukunft des deutschen Bildungssystems.

Lehrkräftemangel, ungleiche Bildungschancen, Digitalisierung und der Sanierungsstau an Schulen – die Liste der Herausforderungen ist lang. Gleichzeitig wächst der Druck, tragfähige Lösungen zu finden: Eltern fordern bessere Betreuungsmöglichkeiten, Lehrkräfte kämpfen mit zunehmenden Belastungen, und Schüler:innen erleben ein Bildungssystem, das oft an seinen eigenen Strukturen scheitert. Welche Reformen stehen also an, um das Bildungssystem zu modernisieren, und mit welchen Konzepten gehen die Parteien in den Wahlkampf?

In dieser Artikelserie beleuchten wir die bildungspolitischen Konzepte der Parteien für die bevorstehende Bundestagswahl. Neben der SPD haben wir auch die Programme von CDU/CSU, AfD, Bündnis 90/Die Grünen, BSW sowie weitere Parteien wie FDP und Die Linke analysiert, deren Einzug in den Bundestag noch offen ist.

Anmerkung der Redaktion: Die Reihenfolge der Parteien in dieser Artikelserie ist zufällig gewählt. Die Links zu den Analysen der weiteren Wahlprogramme werden sukzessive ergänzt, sobald die jeweiligen Artikel veröffentlicht sind.

Das Wahlprogramm der SPD 

Das Wahlprogramm der SPD für die Bundestagswahl 2025 steht unter dem Titel “Mehr für Dich. Besser für Deutschland”. Auf den ersten Seiten des insgesamt 66-seitigen Programms stellt die SPD die Bundestagswahl 2025 als richtungsweisende Entscheidung für Deutschland dar und betont die Notwendigkeit klarer Positionen, sozialer Investitionen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Zeiten großer Herausforderungen.

Im ersten Kapitel “Ein neuer Aufschwung für Deutschland” skizziert die SPD ihren Plan für nachhaltiges Wachstum durch Investitionen in Bildung, Innovation, Digitalisierung und Klimaschutz mit sicheren Arbeitsplätzen und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft.

Im Teil “Beschäftigte und ihre Familien entlasten” betont die Partei, dass Leistung anerkannt werden muss, unabhängig vom Lohn. Sie fordert bessere Löhne, gerechte Steuern, sichere Arbeitsplätze und stabile Renten sowie Maßnahmen gegen Inflation, Wohnungsnot und für eine verlässliche Bildungs-, Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur.

Im Abschnitt “Sich in Deutschland sicher und zu Hause fühlen” hebt die SPD die Bedeutung von Demokratie und Sicherheit als Grundpfeiler der Gesellschaft hervor. Sie setzt sich für Schutz vor Kriminalität und für Cybersicherheit ein, fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und möchte Extremismus sowie Diskriminierung bekämpfen. Außerdem legt sie Wert auf eine engagierte Zivilgesellschaft und eine fundierte historische Bildung.

Im letzten Teil “Unsere internationale Verantwortung in der Zeitenwende” setzt die SPD auf eine starke europäische Zusammenarbeit, eine handlungsfähige NATO und die Unterstützung der Ukraine. Sie fordert eine gerechte internationale Ordnung, strategische Partnerschaften mit dem globalen Süden und verstärkten Klimaschutz.

SPD und Bildung: Welche Pläne stehen im Raum?

Schulbildung

Die SPD möchte sich für eine qualitativ hochwertige Bildung in Kitas und Schulen einsetzen, um Familien zu unterstützen und Kindern beste Chancen zu bieten. Dem Lehrkräftemangel soll mit einer bundesweiten Fachkräfteoffensive begegnet werden, die bessere Bezahlung, Quereinstieg und multiprofessionelle Teams fördert. “Wir wollen daher eine Fachkräfteoffensive für Kitas und Schulen verbindlich zwischen allen Bundesländern vereinbaren, die unter anderem den Ausbau von Ausbildungskapazitäten, eine entlohnte Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, multiprofessionelle Teams, die verstärkte Ansprache von Quereinsteigenden aus anderen Berufen sowie den Ausbau vollzeitnaher Tätigkeit bei den meist weiblichen Beschäftigten umfasst”, heißt es im Programm. Besondere Unterstützung erhalten Schulen in benachteiligten Lagen durch das Startchancenprogramm. Zudem soll der Digitalpakt Schule verlängert und inhaltlich weiterentwickelt werden.

Alle Kinder sollen grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen sicher beherrschen, wofür frühzeitige Fördermaßnahmen gestärkt werden. “Spätestens mit vier Jahren und bei der Einschulung muss der Entwicklungsstand aller Kinder festgestellt und wenn nötig eine verbindliche Förderung angeboten werden”, so die SPD. 

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll umgesetzt werden, um Chancengleichheit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Schulen sollen Orte der gelebten Demokratie sein, indem Schüler:innen aktiv an Entscheidungen beteiligt werden. 

Ein gesundes und kostenloses Mittagessen in Schulen soll für alle Kinder sichergestellt werden. Gleichzeitig sollen Maßnahmen gegen Hetze, Desinformation und Extremismus im Bildungssystem verstärkt werden. Die SPD plant zudem Investitionen in moderne Schulgebäude, um Schulen als attraktive Lern- und Arbeitsorte zu gestalten.

Berufliche Bildung

Die SPD möchte auf eine starke berufliche Bildung setzen, um Fachkräfte zu sichern und jungen Menschen eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen. Die Ausbildungsgarantie soll fortgeführt und die Berufsorientierung in Schulen früher und enger mit der Bundesagentur für Arbeit abgestimmt werden. Die Jugendberufsagenturen sollen weiter gestärkt werden, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. 

Unternehmen sollen stärker in die Pflicht genommen werden, ausreichend Ausbildungsplätze anzubieten. Wo dies nicht geschieht, befürwortet die SPD Umlagen oder Fonds. Auch berufliche Weiterbildung und Neuorientierung sollen besser abgesichert werden, damit sich Beschäftigte auf neue Anforderungen einstellen können. Der Transformationszuschuss und das Qualifizierungsgeld der Bundesagentur für Arbeit sollen sowohl kleine Betriebe als auch große Unternehmen erreichen. 

Die Mindestausbildungsvergütung soll angehoben werden, um jungen Menschen eine finanzielle Grundlage während der Ausbildung zu bieten. Die SPD möchte das duale Studium stärker fördern und unter den Schutz des Berufsbildungsgesetzes stellen. Zudem soll das BAföG schrittweise elternunabhängiger gestaltet und langfristig als Vollzuschuss ausgezahlt werden.

Hochschulbildung

Die SPD will die Hochschulbildung gerechter und zukunftsfähiger gestalten, damit mehr junge Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft studieren können. Das BAföG soll reformiert, regelmäßig an steigende Lebenshaltungskosten angepasst und schrittweise elternunabhängig gemacht werden. 

Langfristig strebt die SPD eine Rückkehr zum Vollzuschuss an, um Studierende finanziell zu entlasten. Im Programm heißt es: “Mit einer Reform des BAföG wollen wir dafür sorgen, dass die Höhe der Ausbildungsförderung regelmäßig an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst wird. Zu wenige Studierende profitieren derzeit vom BAföG. Daher sollen für uns schrittweise mehr Studierende einen Anspruch haben. Langfristig wollen wir das BAföG elternunabhängiger machen”. Zudem sollen die Bearbeitungszeiten für BAföG-Anträge durch Digitalisierung und Vereinfachung verkürzt werden. Bezahlbarer Wohnraum für Studierende wird durch die Fortführung und Aufstockung des Bundesprogramms “Junges Wohnen” gesichert. 

Duale Studiengänge sollen stärker gefördert und unter den Schutz des Berufsbildungsgesetzes gestellt werden, um faire Bedingungen für Studierende zu gewährleisten. Hochschulen sollen besser finanziert und modernisiert werden, um exzellente Lehr- und Forschungsbedingungen zu schaffen. 

Politische Bildung und Demokratie sollen an den Hochschulen gefördert werden, um Studierende zur gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen. Die Forschungsförderung soll verstärkt werden, insbesondere in Bereichen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Klimaschutz. Hochschulen werden als Orte des freien Denkens geschützt, wobei insbesondere antisemitische oder diskriminierende Vorfälle konsequent verfolgt werden.

Inklusion

Im SPD-Regierungsprogramm für die Bundestagswahl 2025 wird die Bedeutung von Inklusion im Bildungssystem betont. Die SPD setzt sich dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen gleiche Bildungschancen erhalten. Dazu gehören die Förderung von Barrierefreiheit in Kitas und Schulen sowie der Einsatz digitaler Hilfsmittel, um Lernbarrieren abzubauen. 

Die SPD möchte das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen stärken und ihre Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fördern. Die Werkstätten für behinderte Menschen sollen weiterentwickelt und die Einkommenssituation der Beschäftigten verbessert werden. Die Deutsche Gebärdensprache soll bundesweit gefördert und durch ein geplantes Bundeskompetenzzentrum für Leichte Sprache und Gebärdensprache unterstützt werden. 

Migration und Bildung

Die SPD will das Bildungssystem besser an die Einwanderungsgesellschaft anpassen, um allen Kindern faire Chancen zu bieten. Im Programm steht: “Wir engagieren uns für umfassende Migrationsabkommen, die Zuwanderungswege in Ausbildung und Arbeit eröffnen und vor Ort die Aufnahme von Geflüchteten unterstützen.”

Die Sprachförderung beginnt idealerweise früh und setzt sich während der Schulzeit fort.  Nach Auffassung der SPD darf kein Kind ohne Grundfertigkeiten in die Schule starten. Schulen sollen mit multiprofessionellen Teams gestärkt und diversitätsbewusst gestaltet werden. Geflüchtete Kinder müssen schnellen Zugang zu Bildung erhalten, begleitet von gezielter Förderung.

Lehrkräfteausbildung und Schulmaterialien sollen interkulturell ausgerichtet sein: “Unsere Einwanderungsgesellschaft braucht ein Bildungssystem, das Kindern unterschiedlicher Herkunft alle Möglichkeiten eröffnet, Kitas und Schulen mit Erfolg zu besuchen. Wir wollen Vielfalt auch in Bildungsplänen, Schulbüchern und in den pädagogischen Berufen widerspiegeln. Schüler:innen unterschiedlicher Herkunft sollen sich mit ihnen identifizieren können”, heißt es im Programm.

Die SPD setzt auf bessere Beratung für Migrant:innen und Maßnahmen gegen Diskriminierung im Bildungssystem. Schulen in sozial benachteiligten und migrantisch geprägten Stadtteilen sollen besonders unterstützt werden.

Was die SPD will – und was offen bleibt

In der Bildungspolitik plant die SPD mehr Investitionen in Kitas, Schulen und Hochschulen, den Ausbau der Ganztagsbetreuung sowie eine stärkere Förderung von Demokratieerziehung und historischer Bildung. Zudem sollen Digitalisierung und Modernisierung das Bildungssystem zukunftsfähig machen und eine Fachkräfteoffensive dem Lehrkräftemangel an Schulen und Kitas entgegenwirken. 

Offen bleibt jedoch, wie genau diese Maßnahmen finanziert werden sollen und wie sich die föderale Struktur Deutschlands, die in Bildungsfragen Ländersache ist, mit den Plänen der SPD vereinbaren lässt. In der Hochschulbildung fehlen detaillierte Aussagen zur langfristigen Finanzierung des BAföG. Auch bei der Inklusion bleibt offen, wie Schulen flächendeckend barrierefrei gestaltet werden können. Es gibt keine klare Position zur Rolle von Privatschulen und deren staatlicher Finanzierung. 

Viele Vorhaben der SPD adressieren zentrale Herausforderungen in der Bildung. Es bleibt allerdings bislang unbeantwortet, wie diese Ziele finanziert und in der Praxis umgesetzt werden sollen, insbesondere in Bereichen mit föderalen Zuständigkeiten und strukturellen Hürden.

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